02.06.2017

LEANDRO CASTRO INTERVIEW: SCARLETT ROUGE

Scarlett Rouge

To read the interview in English, please click here.


Wer ist Scarlett Rouge?


Das ist eine schwierige Frage. Es ist nicht so, als ob ich im Spiegel schauen könnte, um zu sehen wer ich bin.
Und wie könnte ich etwas/jemanden definieren, was sich konstant in Veränderung befindet.
Ich kann nur das sein, was ich denke, sein zu wollen und das ist nicht mein Gefühl.
Das 'wer' ist nur ein 'was', ein Bild das nur mein Ego betrifft. Wer ich grundsätzlich bin, im geistlosen Sinne, ist ein Geist einer menschlichen Erfahrung und das ist eine riesige Idee, die man nicht in Sprache fassen kann.
Auf der anderen Seite ist meine 'Ich'-Identität erklärt durch freigeistigen Ausdruck von ungeschützten Gefühlen verbunden mit der moralischen Verpflichtung zu wissen wo man steht und versuchen Verantwortung zu übernehmen für seine Privilegien.



Stil ist...


Oberflächlich gesehen ist es eine Maske. Es gibt zwei wichtige Qualitäten des Styles:
überwiegend ist es der gewöhnliche, übliche Weg für uns - unsere Individualität auszudrücken und das gibt uns die Möglichkeit kreativ zu sein, welches der Pfeiler ist für das Leben. Es ist ebenso die Möglichkeit für Kulturen und Gemeinschaften sich zu definieren. Es geht darum wie uns die anderen sehen und es anzuwenden, sollte gut überlegt sein, da es historisch dazu verwandt wurde, zu differenzieren und zerstörerische Absichten zu rechtfertigen.


Welchen  Schwerpunkt hat Ihre Arbeit?


Ich möchte hauptsächlich Geschichten erzählen, egal ob es sich um Märchen oder religiöse Geschichten handelt. Eigentlich suche ich nach 'Tao' oder universeller Wahrheit. Aber gleichzeitig bin ich an deren Mythen interessiert, die sich historisch selbst neu erschaffen haben und das 'warum' sie es tun. Ich untersuche den psychologischen Bedarf für Mythen
und die logische Denkweise die den Glauben an Fabeln zerstören, während man sich bemüht eine neue symbolische Sprache zu kreieren, die zu unseren modernen Seelen und über unsere moderne Zeit spricht, in der wir leben.


Wie persönlich sind Deine Werke?


Überwiegend persönlich, auch wenn ich mich manchmal an soziale Klischees anlehne. Ich kann meine persönliche Ansicht auf die Welt nicht leugnen. Ich bin nicht klug genug um ein Veto gegen meine eigene Meinung zu haben und nicht wichtig genug um einen Anspruch zu haben, mich auf den Umfang meiner 'Blase' hinaus berufen zu können.


Sammeln Sie Selbst Kunst?


Ja, ich habe Kunst gekauft und mit Freunden Geschäfte gemacht, mit solchen dessen Arbeit ich schätze, um einige zu nennen: Marte Eknaes, Erlea Maneros, Nicolau Verguerio, Zoe Crosher, Pilar, Wiley, und Julie Moon. Kürzlich kaufte mir meine Mutter ein Objekt von Mark Leckey, dieses hängt in einer speziellen Ecke meines momentanen Turiner Apartment.


Woher bekommen Sie Ihre Inspiration?


Ich denke es ist irgendwo zwischen Kopf und Herz, wo immer dies auf diesem Planet auch sein kann. Für mich entsteht Kreativität aus einem vorhandenen Problem, für das man eine Lösung finden muss, ganz egal wer ich bin, werde ich mein bestes tun, mit allen mir zur Verfügung stehenden Mittel, eine Lösung zu finden. Das ist die Essenz kreativ zu sein, ob das meine aufgelöste Kunst ist, das ist eine andere Frage...


Sind Sie eine Person mit der man gut zusammenleben kann?


Gibt es irgendjemand der dazu 'nein' sagen kann? Meine liebsten Freunde würden bestätigen, das ich ein verbissener, rechthaberischer Stiefel bin und ein vernünftiger und sorgsamer Partner, sagen meine unhaltbaren Geliebten. Due Wahrheit ist, das ich nicht leicht mit mir zurecht komme, wie sollte ich auch, wenn ich meine Kunst
ständig in Frahe stelle im Hinblick auf meine eigene Existenz...


Was macht Sie ärgerlich?


Für mich, wenn ich mich unkontrolliert in blinde Wut leiten lasse. Du weisst, wenn man den Kopf ausschaltet und unkontrolliert Dinge sagt, die man nicht so meint. Das habe ich vielleicht davon, das ich zu viel diese 'aristokratischen' englischen Shows gucke. Ich liebe es, wie sie sich dort enthalten ohne sich auszudrücken.Trotzdem bin ich ein Künstler der seine Verletzlichkeit zeigt, aber das Gute ist, das ich immer wieder über mich lachen kann, trotz meiner eigenen grauen griechischen Tragödie. Der Welt fehlt es im Moment an vernünftigen Menschenverstand, unsere blinden Augen sehen nicht den ganzen unnützen Müll der gerade los ist und vorgeben es zu übersehen, den Effekt der Verschmutzung, aber wahrscheinlich bin ich ängstlicher darüber, das sich die Geschichte wiederholt, das pendeln zwischen den wachsenden Nationalisten anstatt eines Zusammenwachsen des Planeten, zu beobachten.


Was macht Sie glücklich?


So viel, mein gesegnetes Leben, meine Familie, mein Anatol, mein Hund, mein magisches Yoga, die Blumen in meinem Garten, die Spaziergänge am Fluss oder im Wald, mich daran zu erinnern, das das Momente sind für die wir dankbar sein sollen, vielleicht fallen wir morgen und brauchen etwas, das uns daran erinnert, das ein Tief vorbei zieht und es so vieles Geschenke gibt, wofür wir dankbar sein müssen!



Welche Jahreszeit mögen Sie am liebsten? Warum?


Ich bin in LA aufgewachsen, dort gibt es keine Jahreszeiten und es ist immer perfekt sonnig.
und jeder ist muskulös, trägt Tatoos und ist gebräunt. Ich habe einige Jahre in Lyon, Frankreich verbracht, wo ich die Jahreszeiten kennenlernte, und dein Fleisch nicht ungehindert, das 'quaint village bourgoise' störte. Ich erinnere mich, da ein Mann aus seinem Auto heraus mir zurief: 'was trägst du da für ein Kleid? Ist der Zirkus zurück in der Stadt ?' Von diesem Tag an trug ich die Kleidung meiner Tante aus Lyon und wahrscheinlich wäre ich zurück nach LA gezogen. Trotzdem lebe ich nun unter kalten Aristokraten im Piemont, Italien.....und ich kann nicht wirklich beantworten warum !? Es kann nicht das kalte Licht sein, das mich die Strasse runter begleitet. Vielleicht, ist es ihr aristokratischer Bedarf, sich wichtig zu fühlen, mich hier ohne Widerspruch zu bewegen. Hier geniesse ich jeden Moment, die Vielfalt des Frühlings, die Sommer mit der Moskito-Angst, die prachtvollen Farben des Herbstes und die tödliche Angst des Winters, um wieder alles zu beginnen.
Hier bin ich ein kalifornisches Mädchen, die alle Jahreszeiten umarmt.



Wer ist Ihr Lieblingsdesigner und warum ?


Fangen wir an mit dem Fakt, das ich es hasse einzukaufen, in irgendein Geschäft zu gehen, ungelogen um etwas zu kaufen. Wann immer es eine Gelegenheit gibt, kaufe ich etwas, auch wenn ich mich danach frage, warum ich das gekauft habe, obwohl es mir noch nicht einmal steht. Meine beste Designer Erfahrung habe ich mit meinem Stiefvater Rick Owens gemacht, ein perfekt gemachtes Kleid für mein Grundschultheaterstück, welches exakt 'Anita's West Side Story' Kleid war....ich weine heute immer noch über den Verlust.....in den Trümmern meiner Kindheit. Und heute, trage ich immer noch Rick Owens.


Beschreiben Sie Ihren Stil in drei Worten.

Fragwürdig, Spontan, Funktional.


Was ist Ihre Lieblingsfarbe?


Wenn man bedenkt, das mein Name 'rot' bedeutet, kann ich irgendetwas anderes sagen als 'rouge'!?
Ich bin ubwillig etwas zu favorisieren. Als Kind habe ich 'gelb' gemocht, das macht mich blass, jetzt liebe ich 'lila', das wirkt esoterisch.
Ehrlich, ich mag den Regenbogen, wenn das nasse das Feuer trifft. In Italien ist der Regenbogen die Friedensflagge, in Amerika die Gayflagge. Egal wie, ich kann mir nicht helfen, bin ich sehr aufgeregt darüber, wie man lieben kann und es von allen Dächern brüllt.



Welches Buch lesen Sie im Moment?


"Problems of the Feminine in Fairytales" von Marie-Louise Franz, 'Status Anxiety' von Alain de Botton und 'Madame Bovary', welches ich während meiner Ausbildung versäumt habe zu lesen,
woran ich mich gerade im Monent erinnere und es wieder mit meinen französischen Gedanken verbinde.


Können Sie mir einen Künstler nennen, den Sie bewundern?


Ich kann nur hoffen, das ich dem Vermächtnis folgen kann, das den Weg für folgende Frauen geebnet hat: Emma Kunz, Eva Hesse, Louise Bourgeois, Carol Rama ect.
Obwohl ich aus einer Generation komme, bei der das Geschlecht nicht besonders unterstrichen werden muss, ich muss muss traurigerweisen feststellen, das es erforderlich ist, unsere Inkompetenz zu unterstreichen.


Was bedeutet Kunst für Sie bzw. was ist Kunst für Sie?


Wie bei vielen mystischen Dingen geht es nicht über das Denken. Es ist schlussfolglich zwischen intuitive Gefühle und der Schlussfolgerung der Logik.


Welche Musik hören Sie im Moment?


Lebe in einer kleinen Stadt, da höre ich überwiegend Pop-Radio...Mit einer Knarre am Kopf.
Wenn ich überlege, höre ich Susanne Sundfør : ' Ten long Songs'(10 lange Lieder) 2015, das beste musikalische Erlebnis das ich je gehört habe.


Welche Eigenschaften an Ihnen mögen Sie nicht?


Ich denke mit der Frage zu antworten 'was ärgert Dich' . Ich hasse es ausser Kontrolle zu sein und ich bin im Moment ausser Kontrolle, das ist meine Fähigkeit und ich liebe es verletzlich zu sein, ein Künstler zu sein. Es ist ein Liebe-und-Hass Gefühl das ich geniesse, es füttert gelegentlich meine künstlerische Tätigkeit.


Welche Wörter benutzen Sie ständig?


Wahrscheinlich 'schön' und 'du weisst was ich meine' - der Grund wird sein, das ich etwas englisch/französisch (franglais) spreche - tu sais!? (weisst Du !?)


Was können bei  Scarlett Rouge in Zukunft erwarten?


Hoffentlich das Unerwartete und mehr Spontanität!



Vielen Dank, Scarlett Rouge!

Leandro Castro


© Fotos mit freundlicher Genehmigung von Scarlett Rouge